Ballkontakte im Vergleich: Eine Analyse unterschiedlicher Trainingsformen
5 Min. Lesezeit | 12.10.2026
Bewertung der kognitiven Leistungsfähigkeit im skills.lab Studio 1
Lucia Gjeltema
Head of Data Science
Junger Fußballspieler beim Dribbling durch eine Trainingsübung auf dem Platz

Mannschaftstraining auf dem Platz, Kleingruppe oder Individualeinheit in der skills.lab Arena: 60 Minuten können für einen einzelnen Spieler eine sehr unterschiedliche Zahl an Ballkontakten bedeuten.

Wie groß diese Unterschiede sind, wollte Matthias Fischer, Sportwissenschaftler, Jugendtrainer und Head Coach bei skills.lab, genauer wissen. Parallel zu seiner Trainerfortbildung analysierte er Trainingseinheiten einer Jugendmannschaft aus dem Leistungsnachwuchsfußball und verglich die Ballkontakte einzelner Spieler mit jenen beim Training in der skills.lab Arena, getrennt nach dominantem und nicht-dominantem Fuß.

Dabei ging es nicht um die größtmögliche Zahl an Ballkontakten, sondern um die Frage, wie stark unterschiedliche Trainingsformen beeinflussen, wie viele technische Wiederholungen ein einzelner Spieler bekommt.

Warum die Gestaltung einer Einheit einen Unterschied macht

Auch innerhalb des Mannschaftstrainings kann sich deutlich unterscheiden, wie oft ein einzelner Spieler an den Ball kommt. Entscheidend sind unter anderem die Gruppengröße und die gewählten Übungs- und Spielformen.

Auch der DFB hat im Rahmen seiner Trainingsphilosophie Deutschland untersucht, welchen Einfluss unterschiedliche Spielformen auf die Zahl der Ballkontakte haben. In kleineren Spielformen steigt die Zahl der Ballaktionen pro Spieler deutlich. Während der DFB im 7-gegen-7 rund 50 Ballkontakte erfasst hat, waren es im 3-gegen-3 im gleichen Zeitraum rund 200.

Das zeigte sich auch in den von Matthias Fischer untersuchten Mannschaftseinheiten. Je nach Aufbau kamen die Spieler auf 175 bis 247 Ballkontakte pro 60 Minuten. Eine Einheit mit Passschleife, 1-gegen-1 und 3-gegen-3 mit Wandspielern führte beispielsweise zu mehr Kontakten als eine Einheit mit Ballmitnahme, Rondo und Torabschluss.

Beispiele für Mannschaftstrainings, geordnet von mehr zu weniger Ballkontakten

Die Ergebnisse zeigen, welchen Einfluss Trainer bereits durch die Gestaltung einer Mannschaftseinheit nehmen können. Je nach Gruppengröße und Übungsform entstehen für den einzelnen Spieler deutlich unterschiedlich viele Wiederholungen.

Mannschaft, Kleingruppe oder Individualtraining?

Noch größer werden die Unterschiede, wenn Mannschafts-, Kleingruppen- und Individualtraining miteinander verglichen werden. Im Mannschaftstraining kam ein Spieler durchschnittlich auf 211 Ballkontakte pro 60 Minuten. Beim Training in der skills.lab Arena waren es zu dritt 474 und im Individualtraining 580.

Dass ein Spieler häufiger an den Ball kommt, wenn weniger Spieler gemeinsam trainieren, ist zunächst wenig überraschend. Für gezieltes Techniktraining ist die Größenordnung aber relevant. In der Kleingruppe und vor allem im Individualtraining bekommt jeder Spieler innerhalb derselben Zeit deutlich mehr Möglichkeiten, bestimmte technische Abläufe zu wiederholen.

Der schwächere Fuß braucht Gelegenheiten

Die Analyse zeigt nicht nur, wie oft, sondern auch mit welchem Fuß die Spieler am Ball waren.

Das Individualtraining hatte rund 2,5-mal so viele Ballkontakte und anteilig mehr Kontakte mit dem nicht-dominantne Fuß. Im Mannschaftstraining erfolgten im Schnitt 26 Prozent der Kontakte mit dem nicht-dominanten Fuß, im Individualtraining waren es 42 Prozent. In absoluten Zahlen entspricht das 55 versus 243 Ballkontakten mit dem nicht-dominanten Fuß innerhalb von 60 Minuten.

Diagramm: Im Einzeltraining entfallen 42 % der Ballkontakte auf den nicht-dominanten und 58 % auf den dominanten Fuß, im Mannschaftstraining 26 % bzw. 74 %

Für Spieler sind diese Zahlen aufschlussreich. Wer seinen nicht-dominanten Fuß verbessern will, muss ihn im Training auch regelmäßig einsetzen. Gezielte technische Übungen schaffen die nötigen Wiederholungen und helfen Spielern, mehr Sicherheit mit dem nicht-dominanten Fuß zu entwickeln. Dadurch fällt es ihnen leichter, ihn später auch unter Gegner- und Zeitdruck zu verwenden.

Die richtige Trainingsform für das jeweilige Ziel

Viele Wiederholungen können im Techniktraining also gezielt helfen. Daraus lässt sich aber nicht ableiten, dass eine Trainingseinheit umso besser ist, je häufiger ein Spieler an den Ball kommt.

Im Mannschaftstraining geht es um weit mehr als Ballkontakte. Spieler müssen offene Räume erkennen, Entscheidungen treffen, auf Gegner reagieren und Lösungen gemeinsam mit ihren Mitspielern finden. Laufwege, taktischen Phasen oder Aktionen ohne eigenen Ballkontakt sind durchaus mit eingeplant. Diese Anforderungen lassen sich über reine Kontaktzahlen nicht abbilden.

Kontaktzahlen zeigen aber, wie viele technische Wiederholungen eine Trainingsform ermöglicht. Hier lässt sich die Brücke schlagen: Trainingsformen mit einer hohen Dichte an Wiederholungen können das Mannschaftstraining gezielt ergänzen. Die Stärke hoher Wiederholungszahlen liegt vor allem darin, gezielt viele Lerngelegenheiten für beide Füße zu schaffen. Wenn diese Wiederholungen mit einer passenden Aufgabenstellung und regelmäßigem Feedback verbunden werden, können Quantität und Qualität sinnvoll zusammenspielen.

Was Trainer aus den Kontaktzahlen für ihre Trainingsplanung mitnehmen können

Für die Trainingsplanung stellt sich vor allem die Frage, welches Ziel eine Einheit verfolgt und welche Trainingsform dafür die richtigen Voraussetzungen schafft.

Für Matthias Fischer liefern die Ergebnisse dabei konkrete Anhaltspunkte: „Die Analyse hat mir geholfen, mein geplantes Training kritisch zu überprüfen: Erreichen die Spieler wirklich die Zahl an Wiederholungen, die ich mit einer Übung erreichen möchte? Wenn nicht, muss ich die Trainingsorganisation entsprechend anpassen.“

Das kann schon bei einfachen Entscheidungen beginnen. Statt eine Einheit immer mit einem großen 8-gegen-8 abzuschließen, kann je nach Trainingsziel ein 4-gegen-4 auf zwei Feldern mehr Ballaktionen, Entscheidungen und direkte Duelle ermöglichen.

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Wenn ein technischer Schwerpunkt im Mittelpunkt steht, muss ich als Trainer das entsprechende Umfeld schaffen, um einerseits eine hohe Anzahl an Wiederholungen zu ermöglichen und andererseits sicherzustellen, dass diese Wiederholungen auch mit der notwendigen technischen Qualität ausgeführt werden. Stehen hingegen taktische Inhalte im Vordergrund, muss ich akzeptieren, dass in dieser Einheit möglicherweise weniger Ballkontakte zustande kommen. Diese geringere Wiederholungsanzahl kann ich im Rahmen der Wochenplanung kompensieren, indem ich gezielt zusätzliche technische Inhalte oder isolierte Übungsformen in andere Trainingseinheiten integriere. Entscheidend ist dabei, dass die einzelnen Einheiten nicht isoliert betrachtet werden, sondern im Kontext der gesamten Trainingswoche.

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Matthias Fischer

Sportwissenschaftler, Jugendtrainer und Head Coach bei skills.lab

Geht es gezielt um die technische Entwicklung, kann die skills.lab Arena das Mannschaftstraining dort ergänzen, wo einzelne Spieler nur begrenzt zu Wiederholungen kommen. Übungen lassen sich auf bestimmte technische Schwerpunkte oder den nicht-dominanten Fuß ausrichten und mit vielen Wiederholungen verbinden.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, möglichst viele Kontakte zu sammeln, betont Fischer: „Hohe Wiederholungszahlen sind wichtig, aber nicht um ihrer selbst willen. Entscheidend ist die Kombination aus Anzahl, Qualität, Entscheidungsdruck und Spielnähe. Genau diese Balance sollte die Grundlage für die Planung einer effektiven und entwicklungsorientierten Trainingseinheit bilden. Ich bin überzeugt, dass genau diese ausgewogene Kombination aus gezielter technischer Förderung, hoher Qualität der Wiederholungen, spielnahen Situationen und ausreichend Entscheidungs- und Wettkampfdruck die Entwicklung junger Talente nachhaltig fördert und ihnen mit Sicherheit bessere Voraussetzungen für ihre weitere fußballerische Entwicklung bietet.“

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