Die Spielumgebung auf dem Prüfstand: Was neue Forschung über die skills.lab Arena sagt
5 Min. Lesezeit | 20.05.2026
Bewertung der kognitiven Leistungsfähigkeit im skills.lab Studio 1
Lucia Gjeltema
Head of Data Science

In einem Fußballspiel hat ein Spieler kaum Zeit, Denken und Handeln voneinander zu trennen. Ein Pass ist nicht nur Technik und Entscheidungen entstehen nie losgelöst von Druck, Timing, Kontext oder Ballfokus.

Genau das lässt sich in Nachwuchsakademien allerdings nur schwer erfassen. Viele Testsysteme trennen noch immer, was im Spiel ganz selbstverständlich zusammengehört. Das aktuelle Leistungsniveau von Spielern in solchen Situationen objektiv messen zu können verschafft Akademien einen klaren Vorteil in der Talenterkennung, im gezielten Individualtraining und in der Talententwicklung.

Leistung jenseits isolierter Tests

Bei KKS Lech Poznań steht genau diese Fragestellung im Mittelpunkt: Wie lässt sich Leistung so erfassen, dass sie auch die Realität des Spiels widerspiegelt?

Um diese Lücke zu schließen, hat der Verein die skills.lab Arena nicht nur in den Trainingsalltag, sondern auch in die strukturierte Leistungsdiagnostik integriert.

Lech Poznań zählt seit Jahren zu den erfolgreichsten Vereinen Polens und gewann in der Saison 2025/26 zum zweiten Mal in Folge die nationale Meisterschaft. Entsprechend intensiv beschäftigt sich auch die Akademie des Vereins mit der Frage, wie sich spielrelevante Leistung gezielter entwickeln und bewerten lässt.

Einer der Coaches, die in diesem Umfeld arbeiten, ist Michał Dolata, Jugendtrainer bei Lech Poznań. Neben seiner Tätigkeit als Coach und der regelmäßigen Arbeit mit Spielern in der Arena beschäftigt er sich auch mit angewandter Forschung, um besser zu verstehen, wie sich komplexe, spielrelevante Fähigkeiten strukturiert und zuverlässig erfassen lassen.

Viele Ansätze zur Leistungsbewertung trennen diese Bereiche weiterhin voneinander: Technische Fähigkeiten werden am Platz beobachtet, kognitive Fähigkeiten im Labor gemessen. Die Forschungsarbeit von Dolata et al. (1) verbindet beides durch eine Leistungsdiagnostik von Spielern in der skills.lab Arena, einem Fußball-Trainingssystem, das realen Spielsituationen möglichst nahe kommt.

Die zentrale Hypothese der Studie: spielnahe Leistung in der skills.lab Arena lässt sich mit ausreichender Konsistenz messen, um für Spielerentwicklung und Leistungsbewertung tatsächlich relevant zu sein.

„In light of the results, the skills.lab Arena can be considered a reliable diagnostic tool for assessing motor-cognitive performance in young soccer players.“

„Vor dem Hintergrund der Ergebnisse kann die skills.lab Arena als zuverlässiges diagnostisches Instrument zur Beurteilung der motorisch-kognitiven Leistungsfähigkeit junger Fußballspieler angesehen werden.“ [übersetzt aus dem Englischen]

Kognitive und technische Leistung gemeinsam erfassen

Traditionelle Testverfahren haben eine klare Schwäche: sie isolieren häufig genau jene Aspekte, die im Spiel untrennbar zusammenwirken. Kognitive Tests finden meist in kontrollierten Laborumgebungen statt, während am Platz vor allem physische und technische Leistung bewertet wird.

Die skills.lab Arena wurde entwickelt, um genau diese Lücke zu schließen. Sie kombiniert technische, physische und kognitive Fähigkeiten.

All das geschieht in einer dynamischen, fußballspezifischen Umgebung mit Ballmaschinen, Trackingsystemen und interaktiven visuellen Reizen. Spieler reagieren dabei auf spielnahe Situationen, etwa auf sich bewegende Mitspieler, und führen gleichzeitig technische Aktionen unter Zeitdruck aus.

Ein strukturierter Ansatz zur Messung spielrelevanter Leistung

Im Rahmen der Studie absolvierten 31 Nachwuchsspieler im Alter von 13 bis 14 Jahren insgesamt zehn verschiedene Fußballübungen innerhalb der Arena. Die Übungen decken unterschiedliche Aspekte von Fähigkeiten im U14-Bereich. Alle Teilnehmer verfügten über mindestens drei Jahre Erfahrung und trainierten viermal pro Woche im Verein inklusive Spiele am Wochenende.

Die Tests wurden über mehrere Sessions hinweg jeweils nach sieben Tagen sowie nach einem Monat wiederholt, um die Konsistenz und Zuverlässigkeit der Messungen zu überprüfen.

Übung 1

Flachpass auf Ziel

Übung 2

Übung 3

Übung 4

Übung 5

Übung 6

Übung 7

Übung 8

Übung 9

Übung 10

Zuverlässige Ergebnisse in einem komplexen Umfeld

Eine der zentralen Fragen war, ob ein derart komplexes System stabile und wiederholbare Ergebnisse liefern kann. Dafür nutzten die Forscher etablierte Reliabilitätsmetriken wie Intraklassen-Korrelation, Variationskoeffizient und Bland-Altman Analyse, um die Ergebnisse über mehrere Testzeitpunkte hinweg zu vergleichen.

Die Zuverlässigkeit isolierter Fähigkeiten ist erwartbar, Zuverlässigkeit innerhalb komplexer Spielsituationen nicht. Die Studie zeigt, dass die skills.lab Arena auch über mehrere Sessions hinweg zuverlässige Ergebnisse liefert. Obwohl die Aufgaben mehrere Leistungsdimensionen gleichzeitig kombinieren, lieferte die Arena konsistente Ergebnisse, eine zentrale Voraussetzung für jedes diagnostische Performance-System.

Für Trainer ist das von grundlegender Bedeutung. Es bedeutet, dass Ergebnisse stabil genug sind, um Spielerentwicklung über längere Zeiträume nachvollziehbar zu bewerten. Anstatt sich auf Einzelbeobachtungen oder subjektive Eindrücke zu verlassen, kann Leistung auch in komplexen, spielnahen Szenarien konsistent beurteilt werden.

So präzise, dass echte Entwicklung sichtbar wird

Neben der Zuverlässigkeit untersuchte die Studie auch, ob die skills.lab Arena relevante Leistungsänderungen erkennen kann. Dafür verglichen die Forscher die sogenannte „smallest worthwhile change“ der statistischen Signifikanz mit dem typischen Messfehler, ein etablierter Ansatz, um festzustellen, ob beobachtete Verbesserungen über normale Messschwankungen hinausgehen.

„The analysis of the usefulness ensures that the tests in the skills.lab Arena are not only reliable but also sufficiently sensitive to detect even the smallest improvements crucial for player development.“

„Die Analyse der Aussagekraft stellt sicher, dass die Tests in der skills.lab Arena nicht nur zuverlässig sind, sondern auch eine ausreichende Sensitivität besitzen, um selbst kleinste, für die Spielerentwicklung relevante Verbesserungen zu erkennen.“ [übersetzt aus dem Englischen]

Praktisch bedeutet das: Trainer können nachvollziehen, wo gezielte Trainingsinterventionen tatsächlich zu messbaren Fortschritten führen. Laut den Autoren ist die skills.lab Arena in der Lage, reale Leistungsverbesserungen von zufälligen Schwankungen zu unterscheiden und damit Entwicklungen sichtbar zu machen, die praktisch relevant und nicht nur statistisches Rauschen sind.

Fähigkeit messen, ohne Gewöhnungseffekt

Wiederholte Tests führen oft zu besseren Ergebnissen, weil sich Spieler an die Aufgaben gewöhnen. Um diesen Effekt auszuschließen, analysierten die Forscher die Leistungsentwicklung über mehrere Testdurchgänge hinweg mittels Repeated-Measures Varianzanalyse und Bonferroni-korrigierten Post-hoc-Vergleichen. Interessanterweise blieb dieser Effekt weitgehend aus.

Das deutet darauf hin, dass wiederholte Testdurchführungen die Leistung nicht künstlich verbesserten. Lediglich bei einer Fitness-Aufgabe (einem Sprintparcours mit Ball) zeigte sich im Verlauf eine Leistungssteigerung, weshalb ein Gewöhungseffekt hier nicht ausgeschlossen werden konnte.

Das deutet darauf hin, dass die skills.lab Arena tatsächliche Fähigkeiten misst und nicht eine kurzfristige Anpassung an das Testformat. Für Trainer ist dieser Unterschied entscheidend. Verbesserungen innerhalb der Arena spiegeln damit deutlich wahrscheinlicher echte Entwicklung wider und nicht bloß Gewöhnung an eine Übung.

Abschließende Gedanken: Was das für Vereine bedeutet

„In technologically advanced environments like the skills.lab Arena, the combination of precise measurement tools and advanced data analysis enables the accurate detection of both technical skills and cognitive abilities under game-like conditions. As a result, these tests are exceptionally useful not only for talent identification, but also for the continuous development of players“

„In technologisch fortschrittlichen Umgebungen wie der skills.lab Arena ermöglicht die Kombination aus präzisen Messinstrumenten und moderner Datenanalyse eine genaue Erfassung sowohl technischer Fähigkeiten als auch kognitiver Leistungen unter spielnahen Bedingungen. Dadurch sind diese Tests nicht nur für die Talentidentifikation besonders wertvoll, sondern auch für die kontinuierliche Entwicklung von Spielern.“  [übersetzt aus dem Englischen]

Die Ergebnisse bestätigen, dass die skills.lab Arena ein zuverlässiges und zugleich sensibles Messsystem ist. Die Studie verdeutlicht den fortlaufenden Wandel, wie und warum Leistung im Fußball bewertet wird:

  • objektivere Talentidentifikation
  • klarere Entwicklungskontrolle
  • weniger Bauchgefühl bei Coaching-Entscheidungen

Der Wandel ist dabei nicht nur technologisch, sondern konzeptionell: weg von isolierten Einzelaktionen, hin zur Messung dessen, wie Spieler verschiedene Fähigkeiten tatsächlich miteinander kombinieren. Und was messbar wird, wird trainierbar.

(1) Michał Dolata *, Teresa Zwierko °, Łukasz Bojkowski ‡, Brandon Moran *†, Robert Śliwowski ‡
Reliability and Utility of the skills.Lab Arena as A Real-Time Measurement Technology for Soccer Technique and Cognitive Performance.
Journal of Sports Science and Medicine. 2025, 24: 277–291.
https://doi.org/10.52082/jssm.2025.277

Autorenangaben:

KKS Lech Poznań
° University of Szczecin
‡ Poznań University of Physical Education
† Seattle Pacific University

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